Mittwoch, 23. Februar 2011

Der "Stachel im Fleisch"

Kaum ein Gespräch in diesen Tagen über Glaube und Kirche, das sich nicht um die Forderungen im "Theologen-Memorandum" dreht und dabei vor allem um (angebliche) Lösungsvorschläge für den immer spürbareren Priestermangel in unseren Bistümern. Selten wird dabei etwas tiefer gelotet und darüber nachgedacht, dass nicht der Priestermangel das Problem unserer Zeit ist, sondern der Mangel an Glauben, eine immer stärkere "Verdunstung" des Glaubens-"Grundwasserspiegels". In einer Predigt hat Programmdirektor Pfr. Dr. Kocher eine klare Position bezogen, die auf der Homepage von Radio Horeb als "Stellungnahme zur laufenden Zölibatsdebatte" ausgewiesen ist. Man kann mit dem vorstehenden Link seine Ausführungen anhören, oder sich den Text als Lese-oder Hördokument (PDF/MP3) auf den Computer herunterladen.

Das folgende Zitat will die lesenswerte Lektüre oder das Hören nicht ersetzen, sondern nur andeuten, in welche -im allgemeinen Diskurs ungewohnten- existenziellen Kategorien der Gedankenwelt ein Nachdenken eigentlich führen müßte:
"Was geschieht in einer glaubensschwachen Zeit, die wir zweifellos durchleben, in der viele sich vom Evangelium abwenden? Das Jenseits hört auf, zu existieren, die Sinnhaftigkeit wird im Diesseits gesucht. Damit wird auch der Verweis auf die Ewigkeit durch den Zölibat sinnlos. Das Kommende gibt es nicht und so wird der Zölibat zum Ärgernis und Anstoß. Deshalb geht es gar nicht so sehr darum, den vom Zwangszölibat geknechteten Priester zu befreien, sondern man möchte sich diesen „Stachel im Fleisch“ ziehen. Aus vielen Umfragen wissen wir, dass die Sexualität für viele Menschen ein Höchstwert, ein Letztwert ist.
… Der dänische Religionsphilosoph Søren Kierkegaard hat einmal gesagt: „Niemand wird so sehr gehasst wie jemand, der anders lebt, der sich nicht in dem Bereich aufhält, wo andere Menschen sich natürlicherweise aufhalten.“ Da ist schon etwas dran. Der Zölibat ist für viele eine Infragestellung ihrer Werte, ihrer Hierarchien in den Werten. Was für sie ein Letztwert ist, ist es für den Priester nicht. Es gibt etwas Größeres und darauf ist die zölibatäre Lebensweise ein Hinweis, ein Zeichen. Ein Zeichen, das verstanden und gelebt werden soll, aber natürlich auch ein Zeichen, dem widersprochen wird."

(Auszug aus einer Predigt von Pfr. Dr. Kocher am 27.1.2011 in Balderschwang)


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