Montag, 20. Juni 2011

Die Lehre vom Dreifaltigen Gott

Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rubljow

Vor einigen Jahren besuchte ein (evangelischer) Theologieprofessor mit seinen Studenten die neue Moschee in Mannheim. Nachdem der Mullah ihnen dargelegt hatte, was wesentlich sei für den Glauben des Islam, fragte er spontan seine Besucher nach dem dreifaltigen Gott. Ganz zu Recht ging er davon aus, dass das die Spitzenwahrheit des christlichen Glaubens ist, und dass diese Gotteslehre uns Christen vom Islam, freilich auch vom Judentum unterscheidet. Die theologische Besuchergruppe aber kam in große Verlegenheit. Sie konnten dies und das daher stottern, waren aber nicht in der Lage, etwas Klares und Überzeugendes und zugleich Einfaches vorzubringen. Der Mullah war sichtlich enttäuscht und wandte sich ab. Es kränkte ihn, so als ob ihn diese Studenten und ihr Professor gar nicht für dialogwürdig hielten. Dabei waren diese schlichtweg nicht in der Lage, in einen echten Dialog über die unterschiedliche Gotteslehre einzutreten.
So mancher, der heute am Stammtisch - oder wo auch immer - über die Bedrohung unserer Kultur durch den Islam schwadroniert, käme in beträchtliche Verlegenheit, müsste er die christliche Glaubensüberzeugung im Unterschied zu der muslimischen wiedergeben. Es fehlt uns nicht nur die Bereitschaft zum öffentlichen Bekenntnis unseres Glaubens; wir unterliegen, wir blamieren uns auch, wenn es darum geht, die christliche Gotteslehre überzeugend und einfach darzulegen. Dabei wäre es gar nicht so schwierig, einem Moslem oder Juden klar zu machen, dass die Lehre vom dreifaltigen Gott überhaupt kein Widerspruch zum Monotheismus darstellt, also zu der allen drei Hochreligionen gemeinsamen Überzeugung, dass es nur einen und einzigen Gott gibt:
Wer käme auf die Idee von drei verschiedenen Menschen zu sprechen, wenn wir sagen:
Jeder Mensch ist eine Einheit von Leib, Seele und Geist? Wieso also das primitive Vorurteil (nicht nur im Islam), die Lehre vom Dreifaltigen Gott hätte den unaufgebbaren Boden des Monotheismus verlassen – so als wäre von drei Göttern die Rede?
( Auszug aus einer Predigt am Dreifaltigkeitssonntag in einer Heidelberger Gemeinde )

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