Dienstag, 8. April 2014

"Wir über uns"

Pfarrer Richard Kocher, der Programmdirektor von Radio Horeb, in der Sendung "Wir über uns" am 5.4. 2014:
Mir war es immer wichtig, dass wir bei unserem Radio das Gute und Aufbauende weitergeben.  Manchmal ist es notwendig, auch kritische Worte zu finden bei manchen Fragwürdigkeiten im Medienbereich, der Gesellschaft oder auch in unserer Kirche; das darf aber nicht das Hauptaugenmerk sein. Nie hätte ich gedacht, dass allein schon das Eintreten für das menschliche Leben, das heute vielen Gefährdungen ausgesetzt ist, oder für Ehe und Familie problematisch werden könnte. Doch die Zeiten ändern sich. Als kürzlich in einer Talkshow bei Sandra Maischberger ein Familienvater über das klassische Modell einer Verbindung von Mann und Frau und der daraus entstehenden Familie mit Kindern sprach, wurde er von Frau Maischberger gefragt: „Sind Sie nicht der Meinung, dass diese Aussage für Schwule kränkend sein könnte?“ Darauf gab dieser schlagfertig zurück:
„Wahrscheinlich darf ich jetzt auch in Gegenwart eines Rollstuhlfahrers nicht mehr von meinem Wanderurlaub erzählen, weil das kränkend sein könnte.“ Ich bin dem früheren Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse dankbar, der ein Plädoyer für die „stinknormale Ehe und Familie“ ablegte. Wer diese verteidige, dürfe nicht der Homophobie bezichtigt werden, denn sonst sei ein Klima der Intoleranz die Folge.

Am 3. Februar 2014 haben sich die Programmdirektoren aus Albanien, Österreich, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Ungarn, Litauen, Malta, Niederlande, Rumänien, Slowakei, Schweiz, Südtirol, Russland und Ukraine in Balderschwang zu einem Erfahrungsaustausch sowie zur Vorbereitung des Mariathons getroffen, bei dem am 9. und 10. Mai 2014 Spenden für die Aktivitäten der Weltfamilie von Radio Maria gesammelt werden. Die Begegnung war spürbar gesegnet und hat wertvolle Impulse für unsere Arbeit gebracht.  Es ist wichtig, nicht nur auf das eigene Radio zu schauen, sondern sich auch den Anliegen der anderen zu öffnen, um dadurch zu lernen. Don Aleksej Samsonov, unser Mitbruder aus der Ukraine, hat in berührender Weise von der Situation seiner Heimat berichtet.  Wir gehen auf Ostern zu und bald dürfen wir wieder die Geheimnisse unserer Erlösung feiern, denn der Herr hat stellvertretend für uns Sünde und Schuld auf sich genommen, um uns zu erlösen: „Der Menschensohn ist gekommen, um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mk 10,45). Das ist auch der Auftrag des Knechtes im vierten Gottesknechtslied in Jesaja 53. Dieser gilt allerdings nicht nur für den Knecht, sondern auch für uns, für die Kirche. Mein früherer Lehrer für Altes Testament Prof. Dr. Rudolph Kilian schrieb dazu in seinem Buch „Ich bringe Leben in euch“:
„Wenn die neutestamentliche Kirche sich aber als ein neues, geistliches Israel versteht, kann sie sich dann vom Leiden für andere dispensieren? Ist es dann nicht vielmehr ihre Aufgabe, vielleicht sogar ihr Wesen, leidender Gottesknecht zu sein, verkannt und verachtet? ... Nach der Aussage des vierten Liedes geschieht das Wesentliche nicht durch Aktionen, sondern in der Annahme des Leidens. Denn nur durch stellvertretendes Leiden wird den Vielen Heil, werden sie erlöst.“ Vielleicht können diese Ausführungen kranken und leidenden Menschen eine neue Perspektive in ihrer schwierigen Situation eröffnen. Ich wünsche es ihnen auf jeden Fall und bete dafür.

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